Kap Hoorn erwartet deutsche Weltumsegler

Februar 20, 2009 

Boris Herrmann aus Kiel und der Hamburger Felix Oehme (beide 27) starten am Sonnabend (21. Februar) in der neuseeländischen Hauptstadt Wellington als Führende zur dritten Regattaetappe des Portimão Global Ocean Race rund um die Welt. Vor der Zweiermannschaft der zwölf Meter langen Class 40-Yacht „Beluga Racer“ liegen nicht nur 7.200 Seemeilen (fast 13.300 Kilometer) voller Extreme. Auf der Route in den brasilianischen Zielhafen Ilhabela nördlich von Rio de Janeiro umrundet die Crew auch das legendäre Kap Hoorn an der Südspitze Südamerikas und meistert damit die wohl größte Her-ausforderung für Hochseesegler überhaupt. Nach seinen sensationellen Sie-gen auf den ersten beiden Teilstücken will das Beluga Offshore Sailing Team in den nächsten fünf Wochen auf See den Grundstein verfestigen, um Ende Juni in Portimão/Portugal nach rund 30.000 Seemeilen als Gesamtsieger einzulau-fen.

„Nach der langen Pause können wir es jetzt kaum noch erwarten, endlich wieder los zu segeln“, schilderte das norddeutsche Duo seine Vorfreude auf das, was manchem hartgesottenen Seebären durchaus Furcht einflößen könnte. Denn auf Boris Herr-mann und Felix Oehme wartet bereits kurz nach dem Start das Südpolarmeer, das für seine unwirtlichen Bedingungen mit schweren Stürmen und haushohen Wellen berühmt und berüchtigt ist. Hinzu kommen oft Temperaturen kaum über dem Ge-frierpunkt und wochenlang weit und breit kein Land in Sicht. Das wird nicht nur phy-sisch, sondern auch psychisch eine außergewöhnliche Anstrengung. „Wir haben uns bisher 1a ergänzt und gegenseitig motiviert“, sagt Skipper Herrmann zuversichtlich, „das werden wir schon packen.“

Ansporn genug dürften allein die chilenischen Verfolger Felipe Cubillos und José Muñoz auf der „Desafio Cabo de Hornos“ werden, die auf der zweiten Etappe von Kapstadt/Südafrika nach Wellington nur wenige Stunden nach der „Beluga Racer“ ins Ziel kamen. In der Gesamtwertung liegen sie nur 5,5 Punkte hinter den Deutschen, die sie als Gegner auf Augenhöhe einschätzen. „Die Entscheidung fällt voraussicht-lich erst im letzten Drittel der Etappe, wenn hinter Kap Hoorn in deren Heimatgewäs-sern bei leichterer Brise gegen den Wind gekreuzt werden muss und es taktisch im-mer schwieriger wird“, prophezeit Boris Herrmann eine ansteigende Spannungskurve im Rennverlauf.

Doch zuvor gilt es, den Unbilden des südlichen Pazifiks zu trotzen. Auf der Strecke hat die Regattaleitung aus Sicherheitsgründen eine Sperrzone bestimmt. Um der Ge-fahr durch Eisberge der Antarktis aus dem Weg zu gehen, dürfen die Teilnehmer ih-ren Kurs zwischen dem 160. und dem 100. Längengrad West nicht südlich des 45. Breitengrads legen. „Ein Schönwettertörn wird das deswegen aber bestimmt nicht“, meint Felix Oehme, der „voller Respekt, aber ohne Angst“ an die Aufgabe herangeht.

In Höhe des 130. Längengrads West, etwa in der Mitte der Strecke zwischen Neu-seeland und Kap Hoorn, hat die Regattaleitung zwischen dem 35. und dem 45. Brei-tengrad Süd ein sogenanntes Scoring Gate (Zwischenwertung) gelegt, an dem ähn-lich einer Bergwertung beim Radrennen Bonuspunkte vergeben werden. Die Durch-gänge werden über Positionsbestimmung per Satelliten und Telefonmeldung kontrol-liert. Der Erste wird zwei Punkte erhalten, der Zweite 1,5 und der Dritte einen Zähler. Im Ziel in Brasilien ist der Lohn ein vielfacher (10/8/6); am Ende der Regatta gewinnt das Team mit den meisten Punkten. „Eine Vorentscheidung fällt am Gate noch nicht“, ist sich Herrmann sicher, denn im letzten Teil rechne er auch mit dem derzeit drittpla-zierten britischen Team Mowgli von Jeremy Salvesen und David Thomson. Die Süd-afrikaner Lenjohn und Peter van der Wel erlitten auf der zweiten Etappe mit ihrer „Kazimir Partners“ so schwere Schäden, dass sie aufgeben mussten und beim Re-Start nicht dabei sein werden.

Unterdessen liefen bei den anderen Mannschaften 24 Stunden vor dem Start die Vorbereitungen auf Hochtouren. Co-Skipper Oehme war für den Provianteinkauf der „Beluga Racer“ zuständig und handelte in punkto Leckerlies nach dem Motto weniger ist mehr. „Wir haben verschiedene Schokoriegel an Bord und vor allem Milchreis aus der Tüte“, berichtete der geborene Lübecker, „aber nicht im Überfluss, denn es geht ja auch ums Gewicht sparen. Und wenn etwas rar ist, freut sich den Mensch unter-wegs viel mehr darauf.“ Das ist ein Motivationstool angesichts der gefriergetrockne-ten Astronautennahrung zum Aufkochen, die tagein tagaus den Speiseplan bestim-men wird.

Am Donnerstagabend (19. Februar) ließen es sich die Hochseeartisten noch einmal richtig gut gehen. Denn im Royal Port Nicholson Yacht Club stand die Preisverlei-hung der zweiten Etappe durch die Bürgermeisterin von Wellington auf dem Pro-gramm. Bis in die Nacht hinein wurde gefeiert sowie zurück- und vorausgeschaut.

Der Startschuss zur dritten Etappe durch Neuseelands Sportminister erfolgt um 14.15 Uhr Ortszeit, also viertel nach Zwei in der Nacht zum Sonnabend deutscher Zeit. Das bis vor kurzem sommerliche Wetter hatte am Vortag des Starts Dauerregen Platz gemacht, und auch die Vorhersagen für den Starttag versprechen eher einen Vorschmack auf den grauen, nasskalten Ozean, als einen sonnigen Abschied. Im-merhin dürfte es gleich zu Beginn eine mäßige bis frische Westnordwestbrise geben. Um den 26./27. März herum werden die Yachten in Ilhabela erwartet.
(Ende)

Zwischenstand nach zwei von fünf Etappen des Portimão Global Ocean Race:
1. Beluga Racer, Boris Herrmann/Felix Oehme (Kiel/Hamburg) 24 Punkte
2. Desafio Cabo de Hornos, Felipe Cubillos/José Muñoz (Chile) 18,5
3. Team Mowgli, Jeremy Salvesen/David Thomson (Großbritannien) 14,5
4. Kazimir Partners, Lenjohn und Peter van der Wel (Südafrika) 6,5

Comments

2 Responses to “Kap Hoorn erwartet deutsche Weltumsegler”
  1. Julius sagt:

    In Hamburg werden schon mal alle Daumen für Euch gedrückt!!

  2. Andreas Overbeck sagt:

    Ja, also dann erneut viel Glück.
    Habe zwischenzeitlich einige neue Fans auf Eure Seite gelockt.
    Wettermässig sieht es ja so aus, als ob ab Samstag auch mehr Wind rund um Neuseeland ist, also dürftet ihr gut worwärtskommen auf der Strecke bis Kap Hoorn.
    In einem Privatrennen auf http://www.liveskipper.com habe ich ein virtuelles Boot zumindest so platziert, dass es “mit Euch” segeln kann, dadurch habe ich auche eine Ahnung, wie es windmässig bei Euch aussieht.

    Toi Toi Toi
    Landrattengrüße aus Madrid