Logbuch 12.11.08: Gewinnwarnung / Schwere Zeiten auf der Beluga

November 12, 2008 

 (von Boris) Es gibt ein altes Sprichwort zum Gegen-den-Wind-Kreuzen: “doppelter weg, vierfache zeit und achtfache kraft” oder so. Verflixt und zugenagelt. Ich weiß nicht, was wir machen sollen. Wir sind nördlich des Hochs mit Gegenwind und Desafio und Mowgli südlich mit Raumwind. Der soll sogar recht stark werden. Die schlechte Nachricht: Nach den verfügbaren Wettermodellen haben wir nur noch eine geringe Chance, knapp als erste ins Ziel zu kommen. Wir können nach Süden meiner Analyse nach auch nicht decken, der Weg nach Süden ist riskant wegen des Hochs, und am Wind würden wir zu langsam nach Süden kommen. Desafio würde schneller Ost gutmachen und durchrutschen. Gingen wir direkt nach Süden, würden wir ihre Kurslinie einen Tag kreuzen, nachdem sie dort vorbeigekommen sind.

So die Modelle. Man könnte natürlich mal die Modelle vergessen und mehr aus dem Bauch segeln oder nur noch aufs Barometer und die Wolken gucken, wie früher. Das wäre doch aber so, als wenn ein Analyst, dessen Fonds gerade abstürzt, einfach die Systeme abschalten würde, um dann bei der Sparkasse nebenan am Aushang was über die Wirtschaft herauszufinden.

Diese Separierung von nun 480 sm hat sich seit einer Woche angebahnt. Die Tatsache, dass wir hier stehen, basiert auf Entscheidungen vor einer Woche, die wir jetzt nicht so einfach rückgängig machen können. Ich sehe zwei Fehler in meiner zurückliegenden Analyse. Die Polardaten (Leistungsdaten) des Schiffes sind bei der Windstärke der letzten Tage am Wind zu optimistisch. Den Bengalen-Strom haben wir nicht ausreichend im Routing berücksichtigt.
Nun, wir hatten das Problem seit ein paar Tagen gesehen, aber nicht reagiert, da nur wir hier die Realität vor Ort und Stimmigkeit der Polare sehen können, sind wir ganz allein verantwortlich. Da kann uns auch kein Meteorologe helfen. Am sichersten wäre es nächstes Mal, einfach auf die erwartete Kurslinie der anderen zu fahren und dort zu warten.

Außerdem ist der Wind so extrem böig und drehig. Das kostet auch einfach enorm Speed und Wegstrecke, dazu die raue See. Einer muss ja auch mal schlafen. Der andere trimmt dann den Traveller vom Navisitz aus, während er das Wetter studiert und springt alle paar Minuten auf, um die Winschen zu bedienen. Das haben wir in den Daten nicht so vorhergesehen.

In einer Stunde bekommen wir aktuelle Daten. Und dann schauen wir noch mal.
Abgerechnet wird im Ziel.

Grüße von See.

Comments

22 Responses to “Logbuch 12.11.08: Gewinnwarnung / Schwere Zeiten auf der Beluga”
  1. Steffen sagt:

    Hallo Boris und Felix,
    danke für die kühle Analyse und die anhaltende Spannung. Ohne auch nur die geringste Ahnung vom Segeln zu haben, empfehle ich: Systeme angeschaltet lassen, aber weder auf diese noch auf die Sparkasse nebenan vertrauen. Bauch und eigener Verstand sind durch nichts zu ersetzen. Das würde auch so manchem Fondsmanager helfen.
    Ihr fahrt ein großes Rennen.
    Herzliche Grüße zum Südatlantik
    Steffen

  2. ulrike düwel sagt:

    lieber boris,lieber felix,
    jedentag lese ich eure nachrichten,mit ein bißchen neid und viel bewunderung!
    in schwierigen zeiten würd ich immer auf bauch und verstand setzen und daran denken,daß die anderen auch nicht wie die automaten durchkommen,wind und wetter haben eben eigene pläne!und der wind wird auch bestimmt bald wieder in die richtige schnelle richtung bringen,ich drück euch feste die daumen!
    grüße aus einem halb sonnigen halb regnerischen wuppertal!

    ulrike

  3. Dirk sagt:

    Das ist echt hart für euch, verschwendet aber keinen Gedanken an “hätte”. Eure Entscheidungen waren im Lichte der zum jeweiligen Zeitpunkt vorliegenden Fakten astrein, nur darum gehts. Ein wenig Glück gehört aber auch dazu und das hat doch der Tüchtige: Bleibt also guten Mutes. Jetzt hilft nur noch nach Osten!

    D

  4. Das klang ein bisschen deprimiert heute, aber ich rechne mal folgendermassen: Ihr braucht noch ca 120 h bei der momentanen Geschwindigkeit bis Kapstadt und habt 340 sm Vorsprung. Wenn Ihr also nicht mehr als durchschnittlich 2,83 Knoten/h langsamer seid…..Das müssen die anderen Euch erst mal abnehmen, stündlich, 120 lange Stunden lang.
    Reinhauen, vorwärtsschauen,nicht den Schnee von gestern aufwärmen, das gibt nur lauwarmes Wasser. Das klappt. ich wette eine Buddel Rum, ok?
    Landrattengrüsse aus Madrid

  5. Jan sagt:

    Hallo Ihr Zwei!
    Hadert nicht mit Euch! Ihr macht einen guten Job. Vertraut auf Eure Ideen und glaubt an Euch. Ihr werdet es schaffen!
    Wir drücken Euch die Daumen!

  6. Christiane sagt:

    Moin Moin aus Oldenburg!
    Gehöre auch zu denen, die keine Ahnung vom Segeln haben und verfolge doch jeden Tag Euer tolles Rennen … Laßt Euch nicht unterkriegen!
    Christiane

  7. Mathhias sagt:

    Jetzt durchhalten, Jungs. Ihr habt die Eurer Meinung nach vernünftigste Entscheidung getroffen. Jetzt heißt es, dazu stehen und bloß nicht die Nerven verlieren.
    Wenn das GFS Modell recht behält geht denen im Süden in etwa 40h die Puste aus.
    Viele Grüße von Land aus!
    Matthias

  8. jan sagt:

    Moin ,

    Euer Wasserschach entwickelt sich zur random Wetterschlacht. Schaue mir das Drama gerade ungläubig an - nach soviel Wetterpech wäre etwas Glück jetzt nur fair. In den verbleibenden 1000 Meilen muessen Eure Schatten noch durch zumindest eine Flaute - und bisher hat Ihr ja jede Chance genutzt. Fehler konnte ich auch in der ex post Betrachtung keine finden. Vielleicht soll es ja auch nur so spannend wie bisher bleiben und Ihr rauscht doch noch raumschots nach Kapstadt als verdiente Sieger! .

    lieben Gruss von Katrin ,Carla, Johann und der Axos Truppe,

  9. Hendrik sagt:

    hey Jungs,
    keine Panik. Im Moment haben die da noch mehr Wind und können sicherlich nach Osten viel gut machen!
    Aber dann müssen die auch noch nach Norden und kommen auch noch in schwachen Wind, oder?
    Ausserdem noch habt ihr viel Vorsprung!!!!
    Das klappt schon noch.
    Bloß nicht die Hoffnung verlieren.
    Bezahlt wird an der Kasse.
    Der Drops is noch nicht gelutscht.
    Am Ende sicht die Biene.
    Hinten hat der Fuchs die Eier.
    Das Leben is kein Ponyhof.
    Wir sind hier nicht bei Winschdirwas.

    Schöne Grüße

    Jakob, Joni und Hendrik

  10. Martin sagt:

    Moin Jungs,

    ich verfolge euer Tun seit beginn eures Rennens und bin begeistert. Im Moment wird das „DANK“ des Wetters ja noch mal richtig spannend. Aber ärgert euch nicht über getroffene Entscheidungen das kostet nur Kraft. Einfach weiter positiv denken. Eine Seemeile und eine Wende nach der nächsten und schon seid ihr dem Ziel wieder näher.

    Gruß aus Hamburg Martin

  11. klaus busch sagt:

    Bleib ruhig Brauner, die anderen kochen auch nur mit Wasser und Wetter ist auf’m ganzen Südatlantik. Nicht nur bei Euch.
    Und die anderen müssen auch noch durch’n Flautengürtel durch…..!
    Ihr schafft das!!
    Daumendrückenderweise

    Klaus aus Bremen

  12. Das ist immer so: Vor dem Wind haben die hinten liegenden den Wind zuerst, aber die Bö kommt auch nach vorne. Daß das jetzt so tricky wird, konnte keiner ahnen. Die Fronten ziehen schneller als Ihr segelt, also auf dem Gas bleiben.

    Leicht gesagt, nöch?

    Ich drück´die Daumen, es wird reichen mit Eurem Vorsprung.

    CR

  13. Michael sagt:

    Hallo zusammen!
    Habe hier bei den lokalen Wettergurus nachgefragt und gelernt, dass der Benguelastrom vor der Westkueste derzeit nur schwach ausgepraegt ist (mittlere Stroemung ca. 0.5 m/s Sued -> Nord). Sollte Euch somit nicht weiter hindern.
    Habe weiterhin Wetterkarten mit Vorhersage fuer die kommmenden Tage erhalten und kann diese an Euch weiterleiten solltet Ihr Bedarf haben. Falls ja, gebt mir bitte eine e-mail Addresse. (Heute war der Hafen in Kapstadt geschlossen. Mittlere Windgeschwindigkeit im Hafen 40 kn SE mit Boen bis 65 kn). Wir druecken Euch die Daumen - Ihr schafft das!!!
    Michael

  14. jörg sagt:

    moin boris, moin felix,
    morgen, gleich nach der arbeit, fahre ich zur nordsee und bringe neptun ein weiteres opfer (hatte eigentlich gedacht, es seien in diesem jahr bereits ausreichend viele gewesen :-)) euch wünsche ich weiterhin kraft und ruhig blut - das glück ist mit den mutigen!
    lieber gruß
    jörg

  15. Dirk sagt:

    Nur Mut!

    Gerade kommt der neue Positionsreport rein mit den neuen Windpfeilen von Portimao. Die anderen dürfen sich wirklich über eine perfekte Situation freuen, aber ihr habt in den letzten drei Stunden weniger verloren als zuvor, speed nimmt zu und die angekündigte Rechtsdrehung scheint wohl zu kommen und sollte euch auf Kurs und schnell genug halten.

    Es ist weiterhin alles drin, wir fiebern mit!!

    D

  16. Moritz sagt:

    Hallo Boris und Felix!
    Wünsche Euch einen Schub Zuversicht und physicher Kräfte: Endspurt. Verloren ist nichts,aber was zu gewinnen!
    Den Windpfeilen nach sieht es doch so aus, dass Ihr weiterkommt und die anderen auch noch Ihre Flautenprobleme kriegen.(Dabei kann ich mir die höllische Anstrengung für Euch bei der Kreuzerei vorstellen).
    Moritz

  17. Kirsten sagt:

    Moin Moin
    eine Hamburger Deern - eingeschneit in den Österreichischen Alpen - grad mit Kapstadt telefonierend - wünscht Euch immer eine Hand Breit Wasser unterm Kiel und ein paar nette Stunden bei Michael und Stefanie Baumann in Cape Town
    Gruß Kirsten

  18. Johannes K. sagt:

    Moin Männers,
    das habt ihr bis jetzt sowas von souverän gemacht, da solltet ihr die letzten paar Meilen auch noch gut über die Bühne bringen. Auch wenn der Wind es wohl nochmal etwas spannend werden läßt bin ich zuversichtlich das ihr das Ding nach Hause segelt! Drück euch weiterhin die Daumen!
    Gruß Johannes

    P.s. das Promo Video ist ja richtig super geworden!

  19. Phil Webb sagt:

    Hi Boris and Felix,
    Hope your luck improves over the next 600 miles and into Capetown. Last couple of days must have been very frustrating and it looks like the next 2 or 3 could be difficult too.
    It’s Thursday 13/11 15:00 hrs here and I’m about to head off from work for 3 days, so won’t get to followup results until Monday - I hope you have crossed the line by then.
    Enjoy Capetown and get some good fresh food into you and a decent sleep before worrying too much too much about the boat and the next big leg to Wellington. Should be very challenging in the Southern Ocean.
    Say hello to Mieke fror me. Hope the wind picks up for you soon and you can hold off the two boats to the south.

    Regards ……. Phil

  20. torsten ruppert sagt:

    tag ihr zwei….

    kopf hoch, die anderen müssen auch erst einmal durch das hoch ( laut wind-chart…)durch und noch seid ihr ganz ok vorn. auch wen der der south-easter für euch sicher noch zu einer schwierigen aufgabe werden wird. drücke euch die daumen, das es reicht!
    besorgt´s dem rest!
    torsten

  21. Dirk sagt:

    Guten Morgen Ihr wackeren Kämpfer,

    die Nacht war wohl z.T. wieder frustierend, aber immer wieder geht die Sonne auf! Euer speed nimmt wieder zu, der Wind dreht wohl weiter rechts, ihr werdet wieder weiter nach Süden gegen den Strom halten können und den südlicheren Booten könnte heute eine Phase schwächeren Windes bevorstehen. Die Chancen stehen also gut, dass Geschwindigkeitsdifferenz sich deutlich mindert und ihr Euren Kurs zum Ziel verbessert könnt.

    Ein guter Skatspieler hat nie mehr als er braucht!

    Gruß, D

  22. Michael sagt:

    Moin,

    Auf der Mitte der Banane vielleicht doch zu sehr auf die VORs geschielt und die Deckung wieder aufgegeben … , da sich daran nichts mehr ändern lässt, hoffe ich, dass euch der Benguela-Strom nicht zu stark versetzt und mit der Windrichtung kann es wohl nur besser werden.

    Wie angekündigt haben wir letztes Wochenende bei den „Letzten Helden“ auf der Elbe mit 22 Fiven “alles” nachgespielt. Im 1. Lauf hab ich meine „Ratschläge“ auch selber beherzigt, was mit einem 5. und mal wieder Bericht schreiben belohnt wurde, im 2. Lauf dann aber auf dem Raumgang zu weit ausgeholt, schon waren wir in einem anderen „Wetter- und Stromsystem“ - 7 Boote fahren vorbei. Am Sonntag bekam die Spielerei bei reichlich Wind leider einen bitteren Beigeschmack. Auf der Startkreuz mussten wir trotz Bb im letzten Moment ausweichen, das folgende kühle Bad und die Buddelei mit dem Masttop im Sand (hätte ich in der letzten Mail bloß nichts von Sandkiste geschrieben …) wurde bei vehementen Aufrichtversuchen mit dem Bruch des Schwertes quittiert. Bitter insofern, als das Schwert über 25 Jahre mein zentraler und treuer Begleiter war und manch andere ab und zu an der Kreuz verzweifeln ließ (Bernd wird aufatmen…). Claas musste auch noch ein bischen kämpfen, hat die Spielserie aber letztlich gewonnen.

    Soviel zum heimatlichen Geschehen und vielleicht Stoff für einige andere Gedanken.

    Viele Grüsse aus Oldenburg – gute Höhe und kommt gut an, auch wenn es noch knapp werden sollte

    Michael

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