Lieber konstanten Passatwind als Eisberge

Mai 6, 2009 

(von Felix) Das Gate und die Äquatorüberquerung liegen in unserem Kielwasser, und bis zur Zielankunft in Charleston sind es noch 2.690 Seemeilen. Wir befinden uns also in der vorletzten Woche. Diese Woche ist immer etwas ruhiger. Und obwohl wir noch nicht einmal die Hälfte der Distanz zurückgelegt haben, rückt die USA immer stärker in unseren Fokus. Wann werden wir ankommen? Wie viele Tage bleiben dann noch bis zum erneuten Start? Müssen wir noch Ersatzteile bestellen? Gibt es einen geeigneten Kran, um das Boot aus dem Wasser zu heben?

Auch wenn man meint, inzwischen den Ablauf während eines Zwischenstopps gut zu kennen, sind sie doch nie richtig planbar. Improvisation und Kreativität sind auch dort gefragt, um mit minimalen Zeit- und Kostenaufwand, das Boot vorzubereiten und etwas Erholung zu finden. Doch wie gesagt, das ist noch Zukunftsmusik.

Jetzt segeln wir gerade in einem sehr, sehr konstantem Passatwind. Der Windeinfallswinkel von 100° veranlasst uns immer gebannt auf Geschwindigkeit der Chilenen zu gucken, da ihr Boot normalerweise bei diesem Wind etwas schneller als unsere blaue Lady “Beluga Racer” ist. Doch davon bisher keine Spur. Vermutlich zahlt sich unsere radikale Gewichtskur nun aus. Ähm, also nicht Boris und ich, sondern die Lady hat in Brasilien etwas abgespeckt. Nochmal vielen Dank an Julien und Nina, die keine Mühen gescheut haben, aussortierte Bootsteile von Brasilien nach Deutschland zu schleppen.

Und so segeln wir Meile um Meile, teils begleitet von Delfinen und jeder Menge fliegendem Fisch, die allerdings eher vom Bug der Beluga Racer flüchten, quer zum Passat. Im Schiff herrschen gerade 33° Celsius. Es ist schwierig, bei dieser Hitze etwas Schlaf zu finden. Nachdem ich zunächst ein Buch über eine Antarktis-Expedition gelesen habe, versuche ich nun mit einem Buch über eine Spitzbergen-Expedition der Hitze zu entkommen. Wenn ich allerdings von im Packeis eingefrorenen Schiffen lese, bin ich sehr froh, dort zu sein, wo ich gerade bin. An der Spitze eines Regattafeldes, im konstanten Passatwind, der mit 12 Knoten die Segel unserer Lady streichelt, dazu Sonnenschein und nachts den Mond und unendlich viele Sterne, dazu das erfrischende Atlantikwasser und keine Eisberge weit und breit.

Comments

8 Responses to “Lieber konstanten Passatwind als Eisberge”
  1. Julius sagt:

    http://www.lebensmittellexikon.de/f0000490.php :-)

    Beste Grüße aus Hamburg
    Julius

  2. Thomas Schroeder sagt:

    so ist es halt,

    da wo man gerade nicht ist, erscheint es immer ein wenig verlockender. allerdings, gegen kälte kann man sich anziehen. bin einmal im passat ohne bimini gesegelt, das war doof und heiß, zu heiß aber immer noch kühler als im NE monsun ohne. man stelle sich vor, 40°C unter deck, muslimische malediven, 20 paletten bier an bord und keine kühlung. ich nenne es die hölle; nach der ich mich auf spitzbergen so manchesmal gesehnt habe.

    wie gut, dass ihr sportler seid.

  3. Agi sagt:

    Wie immer ist es sehr spannend eure Reise zu verfolgen…Weiter so und seht zu das der Vorsprung noch anwächst!! Und Felix, Cupido solltest du umbedingt anfangen ;)

  4. Randolf Klein sagt:

    Zu früh gefreut? Euer Vorsprung ist zwar noch bequem, aber es ist auch noch weit nach Charleston. Wie viel schneller hättet Ihr die Roten den erwartet? Etwas schneller sind sie ja (halben Konten in den letzten 12h). Ich drück Euch die Daumen, dass das nur statistische Schwankungen sind und Ihr Euren Vorsprung bis ins Ziel haltet.
    Mast- und Schotbruch
    Randolf

    PS: Wann gibt es den nächsten Podcast, oder ist das Telefon in den Atlantik gefallen ;-)

  5. twk sagt:

    Mmh,
    vielleicht in den nächsten 24 Std. die Außenbahn?
    Möchte das gerne mal *live* erfahren.
    Bringe auch was über Shakleton oder Wilkes,
    sowie wahlweise Heineken oder Veltins mit.
    Viel Glück!

  6. c.Raddatz sagt:

    Moin,

    hat der Gewichtstrimm doch was gebracht? Eigentlich wäre das jetzt die Paradestrecke der Roten, aber nix da. Im Moment seid Ihr schneller, zumindest nach dem Tracker. Die Änderungen sind allerdings marginal, aber immerhin. Hätte ich nicht erwartet nach den bisherigen Infos.
    Vielleicht haben die Reds auch die Devise ausgegeben: Wo wir sind, ist vorne und wenn wir hinten sind, ist hinten vorne.

    Aktuell 70nm Distanz ist nicht wirklich viel, ein knapperes Rennen wäre mir eigentlich lieber. Nix für ungut, aber das ist eben spannender.

    CR

  7. Leon Oehme sagt:

    Auf der Onlineausgabe von der yacht ist ein gutes Video von den beiden zu finden.

    http://www.yacht.de/yo/yo_news/powerslave,id,8034,nodeid,294.html

    Viel Spaß beim gucken und mitfiebern.

    Leon

  8. Heino sagt:

    Genau. Sehr schönes Filmchen… mehr davon!! Eure privaten Einblicke sind echt eine große Bereicherung für uns Racetracker-Junkies…

    Viele Grüße,
    Heino