Logbuch Mittwoch 12. August 2009
August 12, 2009
Kurs Scilly Islands, großer Spi, 15 Knoten Wind aus 130 Grad, 11-15 Knoten, je nachdem, ob wir gerade eine Welle hinabsurfen, Giovanni 1 Meile in Lee 200 Meter voraus (grr). Vor 12 Stunden: Fünfzehn Knoten Wind gegenan fühlt sich immer schon recht rauh an in einem Class40. Noch 100 Seemeilen bis zum Fastnetrock. Es sieht aus, wie im Winter auf der Nordsee: grau, diesig und kühl. Trotzdem haben wir gute Laune, können den Führenden „Novedia“ schließlich sehen und das Schiff fühlt sich gut an. Wir halten den Speed in etwa. Giovanni rückt etwas auf. Wir steuern von Hand, und trimmen den Traveller, also das Goßsegel, ununterbrochen. Vom Ruder aus sieht man unten die große Prozentzahl, die uns angibt, wie weit wir das theoretische Potential des Schiffes ausschöpfen. Extra zum Fastnet hat das Büro Lombard noch mal die Rechner laufen lassen, um uns ein akkurates Leistungsdiagramm vorzubereiten, mit den veränderten, neuen Segeln.
Wegen der Kälte ziehen wir uns mehr und mehr ins Boot zurück und werden stiller. Lange, wortlose Stunden an der Pinne, eingemummt in Kapuze und Ölzeug; aus dunkler Diesigkeit wird endzeitliches Zwielicht. Wie von unserer Wetterdatei vorhergesagt, dreht der Wind links, so dass wir den Rock hoch am Wind anliegen können, also ohne einen weiteren Kreuzschlag machen zu müssen, direkt mit maximal dichtgeholten Segeln zum Fastnet anliegen können. So einen vorteilhaften Winddreher an der Kreuz nennen wir im Jargon einen „Zieher“, „Lift“ im Englischen, hier an Bord sagt man „ca adonne“. Das Gegenteil, hab ich gelernt, heisst „ca refuse“, wenn es also so dreht, dass man abfallen muss. Man sieht an unserer Kurslinie zum Rock einen Linksbogen und dann einen Knick; eine nach SW ausgeeckte Kurslinie, richtig? Das liegt daran, dass wir erst auf BB-Bug (mit Wind von rechts) von Landsend aus gestartet sind, einen Winddreher antizipierend, um dann so getimet zu wenden, dass wir mit dem Zieher auf dem neuen Bug den Rock genau anliegen können. Bei so einer Vorhersage mit linksdrehendem Wind an der Kreuz segelt man immer nach „links“ raus. Insgesamt können wir ein positives Resümee ziehen, bis zum Rock haben wir zwar auf Tanguy verloren, aber aus der Sicht des Navigators keine Fehler gemacht; vielmehr unsere Wende sehr präzise platziert und den Rock genau getroffen. Der Verlust von 2 Seemeilen auf Tanguy ist eine reine Bootsspeedangelegenheit.
Vor dem Schokoladenrennen müssen wir wohl noch mal das Unterwasserschiff und die Anhänge nacharbeiten, ansonsten gibt es nicht mehr viel rauszuholen aus dem Schiff. Ganz sicher ist man mit dem Trimm natürlich nicht, auf einem neuen Schiff, da wird es vielleicht auch noch etwas Potential geben. Was kann man noch machen? Steuertechnik am Wind in der Welle ist eine weitere Variable. Ein guter Steuermann findet einen kurzen, flachen Pfad durch die kabbellige Welle, ohne dass das Schiff jemals zu stark abgebremst wird.
Plötzlich reißt es leicht auf, man sieht 3 Positionslaternen, anderer Yachten aus der IRC-Flotte. Und dann… eine Hitchcock’sche Szenerie: der lange Finger des Fastnetleuchturms huscht unter dem nächtlichen Dunsthimmel entlang, einmal im Kreis über uns hinweg, alle paar Sekunden. Wir Wenden und passieren auf Bb-Bug den Finger in einer nieseligen Finsternis. Nieselschwaden fegen über uns hinweg und durchnässen einen.
Wir öffnen eine kleine Flasche Champagner, begießen, das Boot, Rasmus bekommt einen Schluck und heute morgen wachen Didier und ich mit einem dicken Schädel auf. Wir hatten vor dem Rennen die Ruder bearbeitet und die Achterkante in einem bestimmten Winkel abgeschliffen, um sie schneller zu machen. Jetzt fabriziert das Bb-Ruder unter Spinnaker enormen Lärm und Vibrationen. Tinitus hallo, wir erwachen, fühlt sich an wie eine fette Migräne. Die Mannschaft nimmt es aber gelassen, mit fetziger Musik aus Geralds I-Pod halten wir dagegen. Geralds Musikgeschmack und -Repertoire weiß ich zu schätzen, seit ich das letzte Schiff samt Computerfestplatte und Musik von ihm gekauft habe.
Die nächste schlechte Nachricht: Giovanni macht sich in sichtweite in Lee zu schaffen, uns zu überholen. Wir nehmen auch das gelassen: ich mache uns einen starken Kaffee, die Leistungsprozentanzeige steht permanent über 110%, also wenn Giovanni uns so überholt, müssen wir ein neues Boot bauen… oder die Polardaten anpassen. Ich denke, der Spinnaker könnte im Kopf etwas breiter und voller geschnitten sein.
Novedia ist 10 Meilen vor, vorerst sind wir kurz hinter Giovanni gerutscht, wir haben den Kaffee getrunken, sind hellwach und Didier steuert mit 1000 Minitransatmeilen im Handgelenk einen eleganten Pfad über die buckelige Irensee.
Zwischen Land’s End und Plymouth, im Kanal mit seinen Strömungen und Böen kann noch alles passieren. Also schickt uns etwas Extraspeed…!
A bientot
Boris

Hey Boris, wir wünschen dir und deiner Crew alles Gute für die weitere Fahrt. Jetzt können wir auch wieder den Race-Tracker checken und die Berichte lesen - schön, wieder etwas auf dieser Seite lesen zu können. Viele liebe Grüße aus Oldenburg, Nora & Anna
Hier kommt ne Portion Extraspeed mit mit 5 Versionen von Willin´u.a. die lange von Little Feat.
Uuuhps, man kann ja nichts anhängen. Gebt Gas Jungs! Smooth sailing. Manfred.
Sehe gerade die 18:00 UTC Positionen. Das ist ja prima, TI und Novedia haben gehalst, jetzt in die Mitte zwischen beide und dann mal sehen wie sich das auszahlt …
D
Hallo Boris,
Dir + Deiner Crew die besten Wünsche + alles Gute für die letzten Seemeilen, ich schicke soviel Extra-Speed wie möglich!
Grüße Marianne
32 Portionen Extra SPEED …
Lieber Boris, ihr habt gekämpft wie die Löwen. Ich bin beeindruckt. Herzlichen Glückwunsch, Heide und Steffen
Hi Boris,
herzlichen Glückwunsch zum dritten Platz - feiert schön.
Gruß Christoph
Hi Boris,
Congratulations on a top 3 finish in your first Fastnet race. By the sounds of it you were a little disappointed with boat speed, but a pretty good first up race.
I’ll be keeping an eye on your web site to see what’s next. Hope you don’t need to ask the sponsors for another boat so you can keep up with the leading two.
Looks like I’ll be retiring at the end of next month, hope I get the opportunity to catch up with you in the next year or so, but you are nearly always on the ocean.
Regards …… Phil & Pauline
Moin Boris,herzlichen Glückwunsch zu Platz 3 !
der Abstand zu Platz 2 entspricht ja nach 600 nm nur etwa der Strecke von uns nach Eckwarderhörne..hi
Grüße an die Besatzung
Seezwerg lll
Herzlichen Glückwunsch zum 3. Platz. Das war ja am Ende richtig spannend, so wie es von hier aus zu verfolgen war. Eine gute Zeit und sonnige Grüße aus dem erwachenden Oldenburg (OK, ich erwache ;–)9 ) Frank
Moin Boris& Crew!
Félicitations zu diesem 3. platz; ich hatte gar nicht so richtig mitbekommen, daß das race heute schon beendet ist! Aber super, das hat ja gut geklappt mit der neuen Beluga und der neuen Manschaft!
Glg aus Oldenburg
Christiane
Lieber Boris!
Dir und Deiner Mannschaft herzliche Glückwünsche aus der Wiesenstraße. Gruß Ulla und Moritz
Auch von mir einen herzlichen Glückwunsch zum 3. Platz! Für die Bootspremiere ist das doch ein schönes Ergebnis.
Und die fehlenden Knötchen findet ihr schon noch.
Unglaublich,
kaum ist die Farbe an der neuen alten Flunder trocken umsegelt Ihr fast die ganze o40 Szene - und das in einem extrem schwierigen Revier.
Immerhin können sich die Chilenen jetzt besser fühlen gegen Euch so deutlich verloren zu haben
Gratulation von Deinem Axos Team,
jau boris, glückwunsch! das war doch schon mal ein ganz guter einstand- mit der rolex hat’s dann wohl leider nicht gepasst…
trotzdem, es lässt sich drauf aufbauen!!
beste grüße aus bremen,
dominik