Logbuch Tag 13, 23. Mai - Wir haben das Ice Gate passiert!
Mai 24, 2008 · Print This Article
Heute berichtet Boris von Bord:
Liebe Freunde,
wir haben das Ice Gate passiert! In Sichtweite von Thierry, er vor uns. Dann haben wir ihn überholt und jetzt um 18:00 Uhr hat er uns wieder. Verstehe nicht, wie er schneller fahren kann. Na ja. Wir sind in einem Arm des Golfstroms, das kann man auf der Golfstromkarte gut sehen: http://rads.tudelft.nl/gulfstream/ Wir heizen hier raumschots mit 11-15 Knoten mit 3. Reff und Stagfock bei 30-36 Knoten Wind und machen über Grund nur bescheidene 8,5 Knoten. Das ist wirklich eine extreme Bremse. Daher laufen wir etwas nördlicher als direkten Kurs, um so schnell, wie möglich aus diesem Strom zu kommen. Es ist 23 Grad warm.
Der Tag war anstrengend. Ich bin irgendwann von der Anspannung doch etwas seekrank geworden und habe mein Frühstück verloren. Der letzte Teil der Nacht war noch ganz erfreulich. Der Wind hatte etwas links gedreht, so dass wir den Kurs gut anliegen konnten. Ich habe etwas geschlafen.
Dann nahm der Wind, wie vorhergesagt, stetig zu und der Punkt, wo es mich ernsthaft stresste, war, als mit einem großen Krach das Leesegel riss, hinter dem in Luv innen alles schwere Material verstaut ist, so dass es möglichst weit in Luv ist und zur Stabilität beiträgt.
Alles liegt auf einmal am Boden und in Lee. Ab da habe ich die meiste Zeit in Ölzeug verbracht und die letzten 3 Stunden zum Ice Gate von Hand gesteuert, im Überlebensanzug. Extreme Schauerböen mit Peeling inklusive.
Ich habe mir draußen an einer Anzeige die Schiffsposition eingestellt und von Hand einfach so schnell wie möglich nach Süden gesteuert. Ich konnte die geographischen Minuten runterzählen sehen. 40 Grad 11 Minuten nord. Nach 2 Stunden hatte ich dann endlich 40 N, war also in das Gate eingetaucht und nun frei meinen neuen Kurs zu steuern: Ein kurzer Freudenschrei, aber die Feier fällt kurz aus, denn unten im Schiff gibt es noch mehr Chaos. Die Dieselkanister in Luv wurden durch die Schläge aus der Verankerung gerissen. Die Haltebänder waren alle mit einem Schlag gerissen. Einer der Kanister war unglücklich gefallen und etwas Diesel ausgelaufen. Wie es sich gehört, natürlich auch nach hinten in ein Schapp mit der Medizin drin. Zwei Stunden Arbeit das halbwegs sauber zu machen und es stinkt natürlich wie die Pest.
Jetzt im Moment finde ich, könnte es gerne etwas abflauen, sich beruhigen, Ruhe geben - genug gekämpft. Man wird hier hin- und hergeschleudert. Der Schlaf nachher ist bestimmt ganz flach. Es rappelt und heult. Wassermassen strömen über Deck. Dann wird es jedes Mal richtig dunkel drinnen, weil über allen Fenstern gleichzeitig ein paar Zentimeter hoch das Wasser entlang flutet.
Zum Glück ist es hier drinnen warm und trocken.
Ich hab vorhin etwas gefilmt, jetzt aber keine Lust mehr. Ich will am liebsten schlafen und alles ignorieren, bis es ruhiger wird. Leider soll es uns dann natürlich auch noch wieder auf die Nase drehen und auch frühestens morgen Abend unter 20 Knoten wehen.Na gleich schaue ich mir erstmal den neuen Wetterbericht an. Ist der nicht besser, bleibt mir vielleicht an Anruf bei meiner Freundin Meike und an die vielen netten Mails und Kommentare zu denken, um mich aufzuheitern.
Oh da bekomme ich gerade eine Rückrufbitte per SMS von meiner Mutter. Es ist schön sie zu hören. Sie berichtet mir, dass Yvan sein Boot „Appart City“ aufgeben muss. So schrecklich. Es leidet unter Delamination. Das bedeutet, die Sandwichstruktur des Bootsrumpfes löst sich auf. Das Schwesterschiff „Chocolats Mombana“ hatte das Problem auch und wurde aufwendig repariert. Ich bin sehr bedrückt, dass einer meiner Konkurrenten so einen schweren Schlag erleidet. Er ist genauso alt wie ich. Es muss hart sein, sein Schiff im Nordatlantik wegtreiben zu sehen. Miranda Marron wird ihn wahrscheinlich abbergen – über die Rettungsinsel.
Wir segeln schon raumschots. Ivan ist es 5 Meilen vor dem Gate, also noch an der Kreuz, passiert. Danach hätte er abfallen können. Die See ist extrem rau und ich habe heute sehr viel Vertrauen zu unserem Schiff „Beluga Racer“ gewinnen können. Es segelt auch in diesen Bedingungen großartig. Ich wünsche Yvan, dass die Rettung sicher von Statten geht und Miranda noch genug englischen Tee für ihn hat. Falls es ein Problem mit Miranda gibt, wäre ich der Nächste, der umdrehen müsste, um ihn zu retten. Ich werfe also ein Auge auf das Iridium-Telefon.
Jetzt habe ich ein Reff ausgeschüttet. Es hat auf 20 Knoten abgeflaut. Es ist herrlich wie das Schiff segelt. 9 Knoten hoch am Wind. Aber wir haben Gegenstrom, der uns nicht nur langsam macht, sondern auch nach Lee drückt; so rutsche ich unter meine Layline, eine psychologisch blöde Sache. Aber mehr Höhe geht einfach nicht rauszuholen. Alles probiert. Ich muss auf Nachlassen des Stroms und Winddreher hoffen, bevor wir zu weit nach Lee kommen und dann nächste Nacht komplett gegen an kreuzen müssen.
Gute Nacht und liebe Grüße, bis morgen.

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moin boris,
maria und ich gestern auf dem zwischenahner meer. in gedanken bei dir!
hau rein - gemeint ist das essen und behalt es, schlaf kurz und fest.
nach den rückschlägen mit der technik kommt das glück zu denen die lachen, ein wenn auch kurzer freudenschrei tuts unter den umständen sicher auch!
gruß von allen infizierten oldenburgern
jörg, strackerjan und maria
Hallo Boris,
das Rennen hat auch mich infiziert. Hut ab vor der extremen physischen und mentale Leistung.
Gruß aus Flensburg
Hallo Boris,
Grüße aus dem Südatlantik. Wir drücken die Daumen!
Rita und Walter von der “Noa”
Hallo Boris!
wir waren gerade einkaufen und stürzen sofort wieder an den Laptop.
Alles Liebe
Deine Heide + Steffen
Moin Boris, Du hast meinen vollen Respekt!! Sehr cool… Auf dem aktuellen Video siehst Du schon ne Runde “besser” aus, als beim letzten Mal. Ich drück Dir natürlich weiterhin die Daumen und hoffe, dass es keine weiteren Rückschläge gibt. Auf nach Boston, umkehren geht nicht mehr!!!dome
hey boris,
hab gerdade erst davon erfahren, dass man dir so zugucken kann. du rockst es ja ganz ordentlich. ich drück dir dick die daumen und geh jetzt erstma philipp di seite zeigen.
kolja
Hallo Boris,
deine plastische Schilderung erinnert mich an ein Bild: Moritz vor mir, Eimer zwischen den Fuessen, Hand an der Pinne und das stundenlang ;=) Ich sehe, dass Wetter wird ruhiger.Hoffentlich nicht zu ruhig - erhol dich.
Claus
Hallo Boris,
Grüsse von den Eckwarder-Seeglern. Wir verfolgen euer
Rennen gespannt und drücken dir natürlich die Daumen!
Mach weiter so!!!!!!!
Verdammte Scheiße, du bist ja in Führung gerade. Jetzt bitte alles so abtimen, dass du an deinem Geburtstag als Sieger ins Ziel einläufst! Ich drück dir die Daumen,
Michael