Logbuch Tag 6, 16. Mai - Auf Platz 2 durch die Schwachwind-Zone
Mai 16, 2008
Es ist seit gestern 15 Uhr sehr schwachwindig - nie mehr als 4-6 Knoten Wind. Letzte Nacht hatte ich ein paar gute Böen. Das war klasse! Plötzlich mit 9 Knoten wieder in die richtige Richtung loszuheizen. Da geht einem das Herz auf.
Am frühen Morgen fahre ich nur 200 Grad, sollte aber 260 Grad laufen. Man fährt tatsächlich schneller als der Wind: 0,5 - 1 Knoten schneller bei 4-5 Knoten Windspeed. Ich werde gleich noch mal den Test machen und vom Gennaker auf die Genua wechseln, um die Werte zu vergleichen. Miranda auf „40 Degrees“ ist in Sichtweite, aber ich kann nicht erkennen, welches Vorsegel sie fährt. Die Kompass-Missweisung beträgt hier 12-13 Krad und ich habe Probleme die Instrumente richtig einzustellen.
Alles Gewicht habe ich maximal in den Bug gepackt, jedes Mal eine ganz schöne Plackerei, dieses Umstauen: Wasser, Diesel, Segel, Überlebenscontainer, Material usw. Ich kenne das Schiff noch nicht so gut, um ganz sicher die Wahl der Segel zu entscheiden. Bisher habe ich mich immer für das größere Segel, den größeren absoluten Speed entschieden und bin daher auch so doll südlich der Layline rausgekommen. Ich bin aufgeregt, wie wir aus dieser Zone rauskommen. Das Feld ist total dicht zusammen. Die Platzierung sagt im Moment gar nicht so viel aus. Ich denke die Nord/Süd-Verteilung der Boote ist fast entscheidender. Aber diese instabile chaotische Flautenzone zu durchschauen ist schwer. Wird schon werden!
Es ist kalt aber ganz klar geworden. Eine unglaublich gute Sicht, wunderschönes Bild von Wolkenschichten über einem öligen Meer. Ein Eindruck von ungeheurer Weite und Unendlichkeit. Der Himmel und die Wolken bieten dem Auge einen prachtvollen Anblick. Verschiedene Schichten, Farben und Formen. Dazu guckt die Sonne hier und da durch ein Türchen in den Wolken. An anderer Stelle meint man das Weltall sehen zu können, so klar ist es.
Jetzt kommt gerade der neue Position Report. Bin auf den 3. zurückgefallen. Das Viererpack in dem ich bin ist nach Süden abgeknickt, während die anderen im Norden weiter auf Layline fahren. Ein Nervending. Was nun?
Mittags nächster Position Report: wieder auf Platz 2 mit gutem Speed im Vergleich zu den anderen Booten. Erleichterung!
In der Zwischenzeit hat sich eine weitere Idee zur Lösung meines Gas-Problems entwickelt (meine vermeintliche Reserveflasche für den Kocher ist leer!). Wir versuchen ein Treffen mit Michel Desjoyeaux zu vereinbaren, der wegen Bruchs aufgrund einer Kollision mit einem Wal das Rennen mit seinem Open 60 „Foncia“ aufgeben musste und zurück in die Bretagne segelt. Er könnte überzählige Gaskartuschen an mich übergeben. Ich habe bei der Renn-Organisation angefragt, ob sie dieses ungewöhnliche Manöver genehmigen würden. Andere Vorschläge zur Lösung des Problems sind mir willkommen (schreibt an info@beluga-racer.com).
Abends habe ich es mir im Vorschiff neben all meinen Segeln und allem Material (das Vorschiff ist supergroß) gemütlich gemacht, damit alles Gewicht vorne ist und weil es dort nicht so laut ist, das Racken und Rucken des Großsegels. Ich habe unseren neu eingebauten Ersatz-Minipiloten engagiert. Er hält artig die Pinne fest und ist ganz leise, verbraucht kaum Strom und wie durch ein Wunder, bleibt das Schiff auf Kurs, obwohl wirklich gar kein wind ist.
Ich denke oft an euch, die vielen Freunde, die dazu beigetragen haben, dass dieses Boot rechtzeitig vorbereitet an die Startline vom Artemis Transat gekommen ist und wir dieses Projekt starten konnten mit ja noch einer ganzen Anzahl Rennen und Abenteuer, die im Winter und im nächsten Jahr geplant sind. Jedesmal, wenn ich an eine bestimmte Person denke, würde ich am liebsten anrufen und mal berichten, mich bedanken und die vielen Dinge besprechen, die zu besprächen wären. Aber ich denke auch an die Auflockerung, die dieses Projekt vielleicht dem einen oder anderen anstrengenden und stressigen Büroalltag einhauchen könnte. A bientot!


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Hallo Boris,
smooth sailing!
Manfred
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Boris, wir sind bei Dir und fiebern mit!