Logbuch Tag 7, 17. Mai - Weiter nach Westen!
Mai 17, 2008 · Print This Article
Ein super Tag! Nachts guter Wind aus der vorhergesagten Gegenrichtung, also eifriges Kreuzen bei bis zu 17 Knoten und kleiner Windwelle. Das scheppert dann schon ganz gewaltig, so dass man sich manchmal sogar fragt, ob wohl das Rigg oben bleibt. Dann morgens langsam weniger Wind und so gegen 10 Uhr Totenflaute. Ich steuere ganz geduldig eine Stunde von Hand bei 1 Knoten Speed. Woher habe ich die Geduld? Ich habe super geschlafen diese Nacht und auch recht viel.
Und jetzt kommt das Beste, ich glaube das Meer belohnt mich für diese akribische, liebevolle Zuwendung und Leichwindsteuermühen, denn es schickt mir unglaublichen Südwind aus 174 Grad. Ich laufe also halbwinds mit Code 5 (ein flacher Gennaker) bei 6,6 Knoten Wind mit 6,8 Knoten Speed auf flachem Wasser Richtung Ice Gate. Das ist doch traumhaft - genial!!
Wie es wohl den Anderen ergeht? Ansonsten sind wir in der Essens-Erhitzungsfrage (für den Fall, dass mein Gas für den Kocher nicht reichen sollte) weitergekommen. Verschiedene Leute machen sich Gedanken. Meikes Vater Wilfried berechnet einen Konstruktionsplan für einen Tauchsieder. Cora experimentiert mit Miniaturdieselöfen und Konkurrent Halvard Mabire hat die Rennleitung angerufen, um mitzuteilen, dass er das Problem schon einmal auf einfache Weise gelöst habe: Wasser in den Alubeutel mit dem Essen füllen (es handelt sich um gefriergetrocknete Mahlzeiten, auf die nur noch kochendes Wasser gegossen werden muss), Beutel samt Inhalt im Motor einkeilen und eine Stunde Motor laufen lassen, was wir eh 2 mal am Tag tun müssen, um zu laden. Also schon 3 potentielle Backups, falls das Gas tatsächlich ausgehen sollte.
Der Wind stimmt momentan absolut nicht mit dem Modell überein. Also unternehme ich kein Routing, sondern fahre maximale Zielgeschwindigkeit. Dabei stets Ausschau halten nach « Opportunitäten », nach Süden vorzudringen, um die zu erwartenden SW-Winde zu antizipieren und dann später auf Steuerbord-Bug laufen zu können. Julien würde das jetzt vielleicht Upside nennen, den ich mitnehme. Julien wird 505er Weltmeister und Börsenzauberer.
Bei diesem ganzen Unternehmen hier gibt es viele potentielle Qualifikationen, die man erlernen kann. Das Umstauen von Material, das mir gleich wieder bevorsteht, von momentan Lee nach gewünscht Luv macht mich z.B. fit für das Baugewerbe.
Oh eine Blick nach draußen, der Nieselregen hat sich in dichten Nebel verwandelt. Na ja, heute habe ich besonders gute Laune, das kann mir erstmal nichts anhaben. Allerdings legt man sich dann nicht schlafen, sondern guckt alle 5 Min raus, aber nur ganz kurz, denn es ist nichts zu sehen und man wird nass.
Auf meinem Navigationstisch liegt eine kleine Ferrero Küsschen-Schatulle mit früher mal 5 Küsschen. Die Schatulle ist noch zur Hälfte in Geschenkpapier eingepackt. Meikes Geschenk für Tag 7. Sie weiß, dass ich Ferrero Küsschen liebe. Ich esse sie langsam, um bis morgen früh um 6 Uhr UTC etwas davon zu haben. Das ist dann das Ende des von der Rennorganisation absichtlich durchgeführten Position Blackout und ein neuer Rennabschnitt beginnt.
Grüße von Bord
Boris


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Hi Boris,
ganz großer Sport! Ich bin total begeistert. Viel Erfolg weiterhin.
Gruss Marvin
Hi Boris, großartig, deinen Weg zu verfolgen. Der NWZ-Artikel war super! Ich wünsch dir guten Wind, und lass das Rigg oben!
Liebe Grüße
Alexa