The Artemis Transat
Initiiert von Sir Francis Chichester.
Einhand. Plymouth - Boston. 2800 Seemeilen.
Start: 11. Mai. Zwei Klassen: Open 60 und Class 40.
Zur Geschichte des Rennens
OSTAR (Observer Singlehanded Transatlantic Race), Europe 1 New Man Star, oder wie 2008 The Artemis Transat, das älteste Einhand-Rennen der Welt über den großen Teich hatte in seiner 48-jährigen Geschichte viele Namen, aber als Mutter aller Einhand-Hochseeregatten dient es vor allem als Innovationsfeld für den modernen Schiffsbau, aber auch als Sprungbrett vieler berühmter Namen wie Eric Tabarly, Alain Colas, Ellen MacArthur und vielen anderen. Neue Rennen sind aus der OSTAR entstanden, Einhand, mit 2-Mann-Crews, oder auch großen Schiffsbesatzungen.
Alle vier Jahre wird seit 1960 dieses Rennen von Plymouth (GB) in die USA nach New York, jetzt nach Boston ausgetragen. Die direkte Route misst 2537 sm, gleich 4522 km.
Nicht selten beginnen Heldentaten mit einer Wette unter Männern.
Der Brite Blondie Hasler war Offizier der Könglichen Marine. Nach dem Krieg bastelte er an einem hochseetauglichen Segeler, er wollte sein umgebautes Folkeboot testen und befand eine Regatta über den Atlantik nach New York dafür als geeignet. Doch Herausforderer ließen auf sich warten. Drei Jahre dauerte es, bis sein Landsmann Francis Chichester, ein ehemaliger Pilot, auf seine Wette einging: wer würde als Schnellster den Nordatlantik überqueren. Damals gab es keine Schiffklassen. Jeder der es sich zutraute und über ein einigermaßen seetaugliches Schiff verfügte, konnte teilnehmen. Schließlich waren es fünf, die Schiffsgröße variierte von 6,40 Meter bis 11,90 Meter.
Kein Wunder, dass Francis Chichester 1960 mit seiner 11,90 großen “Gipsy Moth III” das Rennen gewann. Länge ist Geschwindigkeit, aber es galt auch die widrigen Wetterbedingungen im Nordatlantik zu meistern. Besonders gefährlich sind die Frühjahrsstürme in der Biskaya, und ausgerechnet auf der kürzeren Nordroute drohen Eisberge. Francis Chichester schaffte in 40 Tagen, 12 Stunden und 30 Minuten die erste Einhand-Transatlantik-Regatta. Hasler verlor seine Wette mit 47 Tagen, legte aber ohne es zu Ahnen den Grundstein für künftige Einhandrennen, und bereicherte somit einen Hochleistungssport, der vor allem den Schiffsbau, auch Fahrtenschiffe, immer besser und sicherer machte.
Schon vier Jahre später schrieb sich ein gewisser Eric Tabarly aus Frankreich in die Teilnehmerliste ein. Über ihn sagt Chichester, “Tabarly ist ein unbeschriebenes Blatt”. Doch der Franzose, damals noch aktiver Offizier der französischen Marine, überraschte die Briten mit seiner 11,90 Meter langen “Pen Duick II”, speziell für das Rennen gebaut, und siegte spektakulär nach unglaublichen 27 Tagen, 3 Stunden und 56 Minuten. Ein Idol war geboren, Charles de Gaulle ehrte Tabarly mit einem triumphalen Empfang auf der Champs Elysées in Paris.
Immer mehr Skipper nahmen an künftigen Rennen teil, die Schiffe wurden moderner und größer. Seit 1976 gibt es das Klassensystem zwischen 25 und 60 Fuß. Und wieder einmal revolutionierte Eric Tabarly mit dem Bau des Tragflügel-Trimarans “Paul Ricard“ 1980 den Schiffsbau. Es entwickelte sich eine wahre Euphorie, aber es gab auch Rückschläge für Mensch und Material. Seit 2004 organisiert das OC Event mit Mark Turner und Ellen MacArthur das Rennen, das dieses Jahr ausschließlich für Monohulls für 60- und 40-Fuß-Schiffe ausgeschrieben wurde.
Nach über vier Jahrzehnten, segeln heute moderne Multihulls in knapp 9 Tagen die Route, 60-Fuß Monohulls schaffen es in etwa 13 Tagen und selbst 40-Fuß-Racer dürften in etwa 3 Wochen die Route von Plymouth nach Bosten bewältigt haben.
Die Sieger
1960 Francis Chichester Royaume-Uni Gipsy Moth III 40T 12h 30′
1964 Éric Tabarly France Pen Duick II 27T 03h 56′
1968 Geoffrey Williams Royaume-Uni Sir Thomas Lipton 25T 20h 33′
1972 Alain Colas France Pen Duick IV 20T 13h 15′
1976 Éric Tabarly France Pen Duick VI 23T 20h 12′
1980 Phil Weld États-Unis Moxie 17T 23h 12′
1984 Yvon Fauconnier France Umupro Jardin 16T 06h 25′
1988 Philippe Poupon France Fleury-Michon IX 10T 09h 15′
1992 Loïck Peyron France Fujicolor 11T 01h 35′
1996 Loïck Peyron France Fujicolor 10T 10h 05′
2000 Francis Joyon France Eure-et-Loir 09T 23h 21′
2004 Michel Desjoyeaux France Géant 08T 08h 29′
Text von Konrad Kubisch
