Tag 4 Mittwoch, 23.07 “Restart” / Tag 5 Donnerstag, 24.07 Die Falle
Juli 24, 2008
von Julien. Wache um 03:00 übernommen, 50 Minuten mit Code5 (Großes
Vorsegel am Bugspret) bei 0-3 Knoten, dann 5 Knoten Wind. Schöne Abfahrt in
Lee von Kontrahent “Destination Calais”. Leider stirbt die Landbrise und
Calais ist schneller in den Wind auf See gewendet. Irgendwie haben die es
alle ganz schön drauf und wollen sich partout nicht von uns verhauen lassen.
Aber das kommt noch!
Wale mögen Beluga Racer…oder anders rum? Ein kleiner Wal schwimmt seit
04:00 neben uns her und will gar nicht mehr weg.
08:00 … immer noch zwischen 4-6 Knoten Wind und wechselnd Wind auf See und
in Landnähe. Gerade gehts wieder raus auf See, zum Glück kommen alle anderen
Boote mit und es ist kein großes Risiko für uns.
von Boris. Julien hat recht. Das Feld ist ganz schön stark und kaum jemand
scheint ein gutes Gespühr für diese leichtwindige, küstennahe
Situation zu haben. Verrückt, in den ersten Tagen haben wir mit unseren
Versuchen in Landnähe verloren, weshalb wir nur auf dem 11. Platz liegen,
nun aber kreuzen wir schon den ganzen Tag in einem Pulk von 8 (!) Booten nahe
an der Küste enltlang. Wir sitzen in Luv, stauen konsequent alles Matrial
nach Luv, geben konsequent alles, um uns wieder nach vorne zu kämpfen.
Abends wird es wieder tricky, wie in den Nächten zuvor: Wo kommt die Brise?
Wo lauern Löcher? Es geht um die südliche Landzunge am Ausgang des St Lorenz
(Gaspé) zur Wendemarke “Percé”, einem Bilderbuchfelsen, vergleichbar mit der
Langen Anna vor Helgoland, in jedem Kanada-Reiseführer zu finden.
Am Percé-Stein die Sensation: Das Feld ist wiede vollständig beisammen, das
Rennen startet quasi neu. Wir sind zwischenzeitlich als 6. gelistet, können
aber mindestens 15 Lichter in der stockfinsteren Nacht zählen, also fast die
gesamte Fotte. Die altbekannten Stimmen meiner Skipperfreunde melden sich
über UKW Funk bei der Rennleitung. Im Minutentakt kündigen die Skipper ihre
Tonnenrundung an. Kurz vor der Tonne erwischt “Petit Louis” (Vierter beim
Transat) einen Windstrich weiter in Luv und zieht an uns vorbei. Unmittelbar
vor der Tonne drängelt er sich rein. Man merkt, diese Leute sind keine
Jollensegler, Tonnenrundungen und Regelfestigkeit nicht ihr Metier. Wir
haben natürlich Innenraum und verteidigen diesen mit einer zackigen Halse.
Wir gehen in einem Meter Abstand voneinander um die Boje. Neben uns im
Dunkeln schemenhaft zu erkennen: die Silhouette des Percé Steins. Wir sind
aufgeregt, Halvard und Soldini im Funk zu hören, die bisherigen
Frontrunner: - ein Neustart des Rennens - das Feld ist komprimiert -
“Restart”. Also auf in die Nacht mit allem Elan und voller Konzentration.
Tag 5 Donnerstag, 24.07 Die Falle
von Julien. Meine Wache startet auf Steuerbord Bug. Nach der Nacht eine
ganz gute Ausgangssituation, denn wir sind auf die Führenden aufgefahren. Zwei
Stunden gesteuert und auf Rechtsdreher gewartet. Zum Glück zwei Class 40
neben uns, gut um Speed anzupassen. Rechtsdreher kam auch nach und nach,
also Wende um etwa 7 Uhr. Backbord/Steuerbord-Situation mit Tri und wir haben
Vorfahrt. Der Typ hat so einen weichen Brie, dass er bis zuletzt auf unseren
Bug zuhält. 20 Meter vor Kollision hauen Matze und ich eine Notwende rein.
Das war teuer, Mannschaft und Boot stehen. Der Franzose auch und winkt
freundlich. Easy Kollege Weichbrie.
So jetzt auf Backbord Bug und auf weiteren 20 Grad Rechtsdreher über den Tag
warten (laut Wetterbereicht). Wenn der Dreher kommt, liegen wir den nächsten
Wegepunkt bei Saint Pierre, Neufundland, an.
von Boris. Die zweite Sensation des Rennens!!! Die Frontrunner laufen in
die Falle. Im Süden bleiben Soldini, Tanguy, Miranda und Halvard - die
Favoriten - stecken. Wir sind plötzlich 5. und nur zwei Meilen hinter dem
Ersten in voller Fahrt. Mit 8 Knoten Speed, Sonne und Wind segeln wir aus
einem Dunst und Nebelfeld, das den anderen wohl zum Verhängnis geworden ist.
Der Wind nimmt zu. Unsere Chance. Jetzt kommt es auf die richtige
Wettertaktik an, um auch noch in Saint Pierre Miquelon
(Neufundland-Wendemarke) vorne dabei zu sein. Das alte Spiel wie beim
Transat, GFS und ECMWF, das amerikanische und europäische Modell
widersprechen sich etwas. Wir segeln erstmal einen Streckbug nach Nordosten
hoch am Wind auf Bb Bug. Können das Ziel nicht ganz anliegen. Wann wenden,
ist die Frage. Nach GFS wäre es morgen früh in Landnähe besser - nach ECMWF
in einigen Stunden hier draußen nördlich der Iles de Madelaines. Eine extrem
spannende Situation. Morgen wissen wir mehr.
Beste Grüße von Bord der Beluga Racer!

Moin Boris,
da ist der Giovanni ja ganz gut wieder aus der “Falle” rausgekrabbelt, was? Das Risiko eines weiten Ausflugs auf die rechte Seite hat sich wohl doch ausgezahlt. Macht aber nix, alle noch dicht beisammen, alles nur Momentaufnahmen - macht auch aus der Ferne viel Spaß. Die Daumen bleibe fest gedrückt,
D
Hallo ihr ich hoffe ihr holt noch auf!
Gruesse von Piet
Hallo Ihr Vier!Wir liegen in kleinen Häfen von Estland und können Eure Abenteuer verfolgen. Ganz schön spannend, was Ihr da berichtet. Hört sich an, als hättet Ihr genug Power, den anderen davon zu laufen. Wir denken an Euch und drücken weiter die Daumen, alles Gute und liebe Grüße von ULLA und MORITZ auf FIDEL ,57.46,8 N und 23.16,2 E.
Lieber Boris, liebe Maike, lieber Jule, lieber Matze,
auf dem Rückweg von unserem Bretagne-Urlaub nach Köln waren wir extra in St.Malo und haben für euch ins Meer gespuckt. Das bringt extra-Glück. Nun kann nix mehr schief gehen. Ab jetzt hängen auch wir wieder ununterbrochen am Bildschirm. Haut rein! Alles Liebe,
Heide und Steffen
moin boris,
gerade vom ijsselmeer-segeln zurück!
drücke euch die daumen!
gruß jörg