Update zur deutschen Segelsportgeschichte
November 27, 2008
(von Boris) Im Whitbread Round the World Race im Jahr 1989/1990 gewannen Harm Müller-Röhlck und seine rein deutsche Mannschaft die sechste Etappe von Fort Lauderdale nach Southampton gegen die heute berühmt - berüchtigte Seglerin Tracy Edwards, die sie nach berechneter Zeit in der Klasse D auf den zweiten Rang verwiesen.
Zu reklamieren, wir seien die ersten, ist somit nicht richtig. In meiner Bremer Zeit wusste ich stets, dass zwei Straßen weiter einer der erfahrenen Skipper Deutschlands wohnt und, dass wenn ich einmal mit Fragen nicht weiter kommen sollte, dort sicher kompetente Hilfe finden könnte. Ich freue mich, Kapitän Müller-Röhlck (er ist tatsächlich professioneller Kapitän) trotz unserer Unterschlagung heute auf unserer Seite zu wissen und, dass ich nun bei dieser Gelegenheit endlich mal persönlich Kontakt aufnehmen konnte.
Solche Segelgeschichten, wie die Whitbreads der früheren Jahre sind in Büchern dokumentiert und es lohnt sich, diese wieder zur Hand zu nehmen. Was wir heute machen unterscheidet sich aufgrund der Bootsarchitektur allein, aber auch wegen der Elektronik so enorm von damals. Doch der Blick in die Geschichte hilft, zu verstehen und einzuordnen, was wir hier heute eigentlich tun.
Eines meiner Lieblingsbücher zu diesem Thema ist „Die Geschichte des Yachtsports” von Daniel Charles (Delius Klasing) - ein Autor, dessen Geschichtsbegriff mich fasziniert: Er reiht nicht Fakten aneinander (wie mein Geschichtslehrer), er Ordnet Tabarly und Moitessier in ihre Zeit ein, erklärt die Entstehung der heutigen französischen Offshoreindustrie, setzt sich mit Rennformeln sehr interessant auseinander und sogar mit der Yachtfotografie in der Studentenbewegungszeit.
Harm Müller-Röhlck gewann übrigens später auch das Kolumbus Race mit der Segelkameradschaft „Wappen von Bremen” und wurde mit zahlreichen Preisen im In- und Ausland ausgezeichnet. Ich wusste dies bis vor kurzem nicht im Detail. Da ich mich als recht belesen in Segeldingen bezeichnen würde, erstaunt mich meine Bildungslücke. Es ist zwar schon etwas her und wahrscheinlich schipperte ich damals im Optimisten auf einem Baggersee, dennoch kann ich mir kaum verkneifen auszumalen wie Daniel Charles unseren Umgang in Deutschland mit „Segelhelden” kommentieren würde. Wir statten sie nicht mit der Anerkennung aus, wie es die Briten und Franzosen tun.

Hallo Boris!
Dachte ich mir schon!Lese nämlich gerade von D.H.Clark “Sie waren die ersten”(Bielefeld 78). Er beklagt auch, dass “dieser Teil der Yachtgeschichte zu lange vergessen war, weil keiner die Fakten gesammelt hat.”(S.12). Aber Erste oder nicht:das schmälert meine Freude nicht an Eurer seglerischen Leistung und an Eurer Schreibe! Moritz
Lieber Boris, ich habe Deinen Arikel vom 25.11. mit Interesse gelesen. Es ehrt Dich, dass Du die Bezeichnung “Erster Deutscher, der eine Etappe bei einer internationalen Hochseeregatta gewinnt” ablehnst. Aber nun weiß ich, dass Du und Felix alle Kraft einsetzen werdet, weitere Etappen zu gewinnen.
Thema “Segelhelden”:
In meinem Bücherschrank steht das Buch “Eric Taberly- Ein Seglerleben” (Delius Klasing) und darin liegt die Ausgabe der französischen Zeitung “Le Figaro” vom 15.Juni 1998. Am 13.Juni war ich mit einer Crew in Saint Tropez, als plötzlich die Sirenen gingen. Nach einigen Erkundigungen erfuhren wir, dass Eric Taberly in der Irischen See von Bord gefallen und ertrunken sei. Am Tag des Rückflugs kaufte ich die “Le Figaro”. Auf 5 Seiten (!) wurde über Eric Taberly und sein Leben berichtet. Daran sieht man, welchen Stellenwert Segeln in
Fankreich hat.
Ich begrüße es, dass Ihr dazu beitragt, dass der Segelsport in Deutschland mehr Anerkennung findet.
In diesem Sinne weiterhin Mast- und Schotbruch!
Ganz herzliche Grüße von Aloys
..hoffe nur, das über die Leistungen der hiesigen Hochsee-Seglerszene auch schon zu Lebzeiten anerkennend berichtet wird…
Ich denke wir sind auf einem guten Weg, wenn die Vereine so mitmachen wie z.B. TransOcean, der gerade unserem Mini-Freund Norbert einen Preis verliehen hat.
Wenn es so weiter geht, müssen wohl bald ein paar mehr Medaillen geprägt werden.
Danke Boris für Deinen Beitrag, mach weiter so.
Gruß Henrik